Eritrea

Über einen Eritreer, der 1982 im Alter von 16 Jahren nach Deutschland gekommen war und 1996 nach Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft erstmals wieder in seine Heimat reisen konnte, kam die Aktion-Arme-Welt-Gruppe in Kontakt mit seinem Heimatdorf und umliegenden Dörfern im kargen Hochland von Eritrea. Dort gab es weder Strom noch ein Wasserversorgungssystem, die nächste Schule lag 12 km entfernt, öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht und die Kinder, die die 12 km zu Fuß hätten zurücklegen müssen, gingen deshalb überwiegend nicht zur Schule. Der Staat war zwar bereit, Lehrer zu schicken, aber es fehlten die Mittel für ein Schulhaus. Nach längeren zähen Verhandlungen mit dem Staat konnte 1999 mit dem Schulhausbau in Yeren begonnen werden. Die Aktion-Arme-Welt-Gruppe beteiligte sich 1999 mit 9.400 DM und 2001 mit weiteren 10.000 DM für ein Lehrerwohnhaus (Mietwohnungen gibt es in den Dörfern nicht und die Lehrer kommen nicht aus den Dörfern), Toiletten und Wasserleitungen. 2002 wurden die Dörfer das erste Mal von unserer Projektbetreuerin mit ihrem Mann (natürlich auf eigene Kosten) besucht und mit den Menschen vor Ort besprochen, was sie am dringendsten benötigen. Seither besuchen sie die Projekte jährlich und überzeugen sich von den Fortschritten und werden immer wieder um Unterstützung für weitere Infrastrukturmaßnahmen gebeten.

Für Folgeprojekte in Yeren und Umgebung gab es eine enge Zusammenarbeit mit dem Verein „Aktion Eine Welt e.V.“ in Kirchentellinsfurt, mitgegründet von „unserer“ Projektbetreuerin. Ansprechpartner in Eritrea war in den ersten Jahren die katholische Diözese in Keren, der nächstgelegenen größeren Stadt, und ab 2007 auch die Regierung in Eritrea. Häufig waren im Vorfeld große Schwierigkeiten zu überwinden, weil Genehmigungen eingeholt werden mussten und Misstrauen zwischen Regierung und katholischer Kirche in Eritrea besteht. Während des Kriegs zwischen Äthiopien und Eritrea wurde die Entwicklungshilfe zeitweilig eingestellt. Material war (und ist heute noch) oft schwer zu beschaffen und wird durch Inflation teurer als im Kostenvoranschlag angenommen.
Dennoch konnten zahlreiche Projekte in diesen Dörfern umgesetzt werden. Zuschüsse größeren Umfangs gab es vom Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg“, vom Eritrea-Hilfswerk Deutschland e.V. und weiteren gemeinnützigen Organisationen. Die Bevölkerung leistet immer einen Eigenanteil, indem sie sich an den Bauarbeiten beteiligt. Teilweise werden die Menschen bezahlt, was ein kleines, aber wichtiges Einkommen für sie bedeutet.

2003 wurde eine Photovoltaik-Anlage zur Beleuchtung der Schule gefördert, um dort abends Erwachsenenbildung (Alphabetisierung) zu ermöglichen. 2004 wurde ein Brunnen in einem Dorf mitfinanziert. 2005 wurden eine Solarpumpe für den Brunnen in einem anderen Dorf und ein Regenwasserreservoir an der Schule in Yeren errichtet. 
2007 wurden in der Nähe von Yeren mehrere Micro-Staudämme errichtet, damit Oberflächenwasser versickern kann und der Grundwasserspiegel für die Brunnen wieder steigt. Zudem sollen so genannte „checkdams“ verhindern, dass die Stauseen sich mit Sand und Geröll füllen. 2008 wurde mit dem Bau eines Microdamms und eines Brunnen in einem Nachbartal begonnen. 2009 wurde eine Schotterstraße zu abgelegenen Dörfern mitfinanziert und der Bau einer Wasserleitung zwischen einem Brunnen und dem 7 km entfernt liegenden Dorf in Angriff genommen. Außerdem wurde ein Beitrag zur Sanierung einer „secondary“-Schule in Keren geleistet, die 1930 errichtet wurde. 2010 wurde der Bau von „checkdamms“ zum Schutz eines vorhandenen Stausees eines weiteren Dorfs unterstützt. 2012 wurden mit Unterstützung u.a. der Stiftung eine Wasserleitung zur Schule, der Bau von Schülertoiletten und eine Schülerbibliothek fertiggestellt.

Die staatliche Keren Secondary School in Keren, der Bezirkshauptstadt der Zoba Anseba im Norden von Eritrea, mit 4000 Schülern aus Keren und aus den umliegenden Dörfern konnte im April 2013 mit Mitteln des BMZ, der Aktion Eine Welt e.V. und der Stiftung u.a. die Schülerbibliothek sanieren. Außerdem wurde 2013 die Beschaffung einer Photovoltaikpumpe für die Wasserleitung nach Ashara (Zusammenschluss von sechs kleine Dörfern 27 km südlich von Keren) von der Stiftung bezuschusst, da die Dorfbewohner bislang das Wasser aus dem 6 km entfernten, einzig wasserführenden Brunnen in der Umgebung laufen mussten. 2014 der Bau eines Wasserreservoirs im Dorf Megarith unterstützt, 2015 die Sanierung der Straße nach Ashara.

Da die Stromversorgung unregelmäßig ist und die Lokalregierung zudem über keine finanziellen Mittel verfügt, Computer für die Keren Secondary School zu finanzieren, wurde 2016 sowohl eine Photovoltaik-Anlage als auch 15 PCs mit Bildschirm und zwei Laptops sowie die für den Betrieb erforderlichen Programmen angeschafft. Dieses Projekt wurde durch das BMZ mit 37.500 €, der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit in Baden-Württemberg (SEZ) mit 10.000 € und von der „Aktion Arme Welt-Stiftung“ mit 2.000 € finanziert. Die restlichen 500 € kamen von privaten Spendern. Mitglieder der „Aktion Eine Welt e.V.“ sowie Vertreter der „Aktion Arme Welt Stiftung“ besuchten im Januar 2017 auf eigene Kosten das Projekt und konnten sich vor Ort überzeugen, dass sowohl die Photovoltaikanlage als auch die EDV-Anlage funktionieren.

2016 wurde außerdem eine Photovoltaikanlage für eine von Nonnen der Ursulinnerinnen betriebene Krankenstation in Ashara (Zusammenschluss aus sechs kleineren Dörfern) 27 km südlich von Keren errichtet, weil die Stromversorgung dort häufig ausfällt. Von den Gesamtkosten von 8.850 € trug die Stiftung 5.000 €.
2017 wurde ein Rundhaus für den Kindergarten in Juffa mit Zuschüssen gebaut, 2018 werden für den Kindergarten eine Toilettenanlage, ein Wassertank (da der nächste Brunnen 6 km entfernt ist) und einer Mauer um den Kindergarten gebaut. 

 

Alle diese Projekte haben das Ziel, den Menschen in einem ländlichen Gebiet in Eritrea die Chance zu geben, durch Erleichterung ihres Alltags und durch Bildung für ihre Kinder (und z.T. auch für die Erwachsenen) in ihrer Heimat eine Zukunft zu geben und sie dabei zu unterstützen, für ihre Rechte einzutreten und ihr Land mitzugestalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Reisebericht Eritrea 28.12.2016 - 9.1.2017 (13.1.2017) geht es

hier

 
 
 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok