Begegnungsarbeit Puriskiris für bedürftige ältere Menschen in Cochabamba, Bolivien(auf der Grundlage eines Berichts von Annekathrin Erk, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising der Fundación Cristo Vive)

Die AAW-Stiftung fördert die Fundación Cristo Vive bei der Unterstützung älterer Menschen in Cochabamba, Bolivien, mit dem Projekt „Puriskiris“.

Zwar gibt es seit 1998 in Bolivien ein Gesetz zur Förderung und zum Schutz der (Menschen-) Rechte der Alten Menschen.

Trotz der Fortschritte und konkreter öffentlicher Maßnahmen auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene mangelt es bei der Umsetzung und an Aufklärung der armen ländlichen, zumeist indigenen Bevölkerung, damit diese ihre Rechte in Anspruch nehmen können. Viele leiden unter mangelnder Fürsorge, Vernachlässigung oder gar Gewalt durch ihre Familien oder durch die Gemeinschaft. Manche sind völlig auf sich allein gestellt und leben in den Straßen von Cochabamba oder kommen dorthin, um zu betteln.

Hier setzt der Dienst der Begegnungsarbeit „Puriskiris“ an, durch den aktuell 90 alte Menschen, vorwiegend Frauen zwischen 65 und 100 Jahren, von einem Sozialarbeiter, einer Krankenschwester und mehreren Freiwilligen betreut werden.

In Bolivien hat jeder Bürger ab 60 Jahren ein Anrecht auf eine monatliche würdige Rente („renta dignidad“) von 300 bolivianos (ca. 38 Euros), wenn er keine Rente aus Erwerbstätigkeit erhält. Für die Formalitäten und Amtsgänge brauchen die älteren Menschen aber die Unterstützung durch den Sozialarbeiter von Puriskiris. Viele von ihnen haben nicht einmal ihre Geburtsurkunde oder einen gültigen Personalausweis.

Bei jedem alten Menschen, der vom Dienst Puriskiris betreut wird, klärt der Sozialarbeiter zunächst die familiäre und finanzielle Situation, und teilt ihn dann je nach Bedürftigkeit und Betreuungsbedarf einer der folgenden 3 Gruppen zu.

In der Gruppe A sind die ärmsten, die keine Familie mehr haben, alleine leben und schon sehr alt sind. Sie haben nicht ausreichend Lebensmittel und nur eine dürftige Unterkunft oder leben auf der Straße.

Ein bis zweimal pro Monat bekommen sie vom Sozialarbeiter bei seinem Besuch ein paar Grundnahrungsmittel wie Reis, Zucker, Mais, Öl. Sie brauchen eine intensive Betreuung, wie z.B. Begleitung zu den Kontrolluntersuchungen beim Arzt und bei Behandlungen. Falls notwendig, bekommen sie auch eine regelmäßige Wundbehandlung. Der Sozialarbeiter versucht mit dem Umfeld und der Gemeinschaft zu sprechen und diese über die Verpflichtungen gegenüber alten Menschen aufzuklären und auf deren Rechte hinzuweisen.

Wer sich nicht mehr selbst versorgen kann und von der Familie oder der Gemeinschaft keinerlei Unterstützung hat oder bereits allein auf der Straße lebt, den versucht der Sozialarbeiter in eines der kostenlosen staatlichen Altersheime zu vermitteln. Oft ist es der alte Mensch selbst, der Ängste oder Vorurteile hat und deshalb nicht in ein Altersheim möchte. Diese gilt es abzubauen und zu vermitteln, falls keine andere Möglichkeit einer altersgerechten Betreuung gibt. Der Sozialarbeiter bleibt weiterhin im Kontakt, besucht die alten Menschen und ist für das Altersheim Ansprechpartner, fast wie ein Familienangehöriger.

Zur Gruppe B gehören diejenigen, die eine Familie haben und zu einer Gemeinschaft gehören und von dieser auch in irgendeiner Weise unterstützt werden. Die Familien sind aber sehr arm, haben viele Kinder und nicht ausreichend Einkünfte, um die Grundbedürfnisse aller Familienangehörigen zu decken. Die alten Menschen versuchen durch Betteln oder Verkauf von kleinen Handarbeiten etwas zu den Einkünften der Familie beizutragen. Der Sozialarbeiter informiert ihr Umfeld über die Rechte der alten Menschen, begleitet sie zu Arztbesuchen und unterstützt sie bei Formalitäten und Amtsgängen für die Beantragung der staatlichen Rentenzahlungen, oder des Personalausweises, ärztlicher Bescheinigungen oder im Falle der Verletzung ihrer Rechte die Anzeige bei der Polizei oder vor Gericht.

In der Gruppe C sind diejenigen, die am unabhängigsten sind und aus einer Familie der Mittelklasse kommen, denen aber kaum Aufmerksamkeit oder Fürsorge geschenkt wird. Diese brauchen vor allem Unterstützung bei Amtsgängen. Sie nehmen auch die Beschäftigungsangebote, Ausflüge und Feste in der Gemeinschaft gerne wahr. Mit ihnen spricht der Sozialarbeiter auch über ihre Rechte und über Themen wie Körperpflege und Hygiene.

 

Betreuungsangebot Purisirkis

·       Permanente Begleitung durch eine Koordinatorin und einen Sozialarbeiter, die die Treffen und Ausflüge organisieren, aber vor allem Amtsgänge begleiten und Hausbesuche machen

·       Regelmässige wöchentliche Treffen:

Kreativen Tätigkeiten und Beschäftigungstherapien wie Stricken, Spinnen, Malen und Bemalen von Keramik.

·       Seit Mitte 2019: Begleitung durch eine Krankenschwester, die Aufgaben der Krankenpflege übernimmt, wie Körperhygiene, Begleitung zu Arztbesuchen und Supervision der Medikamenteneinnahme

·       Jeden 2. Samstag im Monat werden von den Freiwilligen der Organisation VOSERDEM Grundnahrungsmittel (Reis, Mais, Zucker, Öl) ausgegeben. 

·       Ausflüge: 

Mindestens 2 Mal im Jahr wird ein Ausflug in die umliegende Umgebung von Cochabamba organisiert. Es wird ein Bus gemietet und der Tag wird gemeinsam verbracht. Es wird gekocht, gemeinsam gegessen und getanzt. Kurzum, die Gemeinschaft der Gruppe wird gepflegt und die „Puriskiris“ können ihren oft schwierigen Alltag für ein paar Stunden vergessen.

·       Außerdem werden besondere Feste zu den Feiertagen wie Muttertag, Vatertag, Tag des Rentners, Weihnachten organisiert. Diese werden vom Sozialarbeiter koordiniert und von Freiwilligen unterstützt.

 

 

 

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok