Schulbildung für die von der Syrienkrise betroffenen Kinder in der Bekaa-Ebene im Libanon

 

Der Libanon mit nur 6 Mio. Einwohnern beherbergt seit dem Beginn der Syrien-Krise 2011 etwa 1,5 Millionen Geflüchtete aus dem Nachbarland. Damit ist der Libanon das Land mit den weltweit meisten Geflüchteten im Vergleich zu seiner Einwohnerzahl. Wirtschaftlich gibt es seither massive Probleme. 67% der Bevölkerung sind laut UN auf Hilfe angewiesen. Der Währungsverlust des libanesischen Pfunds um mehr als das Sechzigfache führt nicht nur zu wöchentlichen Preissteigerungen und der Schließung von Unternehmen, also dem Verlust von Arbeitsplätzen, sondern wirkt sich auch auf die öffentlichen Einrichtungen wie Schulen aus.

 

Gerade auch das Leben der Familien der aus Syrien Geflüchteten ist schwierig, weil sie sich im Libanon nicht niederlassen können, um ein normales Leben führen, aber auch nicht absehbar ist, wann sie in ihre Heimat zurückkehren können ohne Repressalien, Folter und Tod fürchten müssen. Ohne Schulbildung bleibt den Kindern der geflüchteten Familien jede Chance auf eine bessere Zukunft verwehrt.

 

Ein Teil der Geflüchteten lebt zudem illegal im Libanon, das 2015 ein Aufnahmestopp verhängt hat. Diesen Menschen ist deshalb selbst die grundlegendste Unterstützung durch UN-Hilfsorganisationen verwehrt.

Geflüchtete Familien ohne finanziellen Rückhalt leben meist in einfachen, provisorischen oder inoffiziellen Camps, sogenannten „Informal Tented Settlements“ (ITS) die kaum über grundlegende Infrastruktur verfügen. Bis zur nächstgelegenen Schule ist es oft weit.

Die meisten Geflüchteten leben im Norden und Nordosten des Libanons, wo sich auch die internationale Hilfe konzentriert. Etwa ein Drittel lebt im Südosten, in der Bekaa Ebene, wo ein besonders großer Bedarf an Unterstützung besteht und wo die Anzahl der eingeschrieben schulpflichtigen SchülerInnen besonders niedrig ist – mit weiter fallender Tendenz.

 

Die Kapazitäten des libanesischen Schulsystems reichen bei weitem nicht aus, um auch die Kinder der Geflüchteten zu unterrichten. Private und gemeinnützige Initiativen haben zusätzliche Kapazitäten außerhalb der staatlichen Schulen geschaffen und bieten zertifizierten Unterricht an. Waren zu Beginn der Krise 2012/2013 noch „nur“ rund 27.000 Kinder von Geflüchteten an Schulen eingeschrieben, waren es 2018 bereits 220.841. Das sind schätzungsweise nur etwa die Hälfte aller schulpflichtigen Kinder.

 

Eine der Nichtregierungsorganisationen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Kindern der Geflüchteten Schulbildung zu verschaffen, ist die Society for Social Support & Education (SSSE) mit Sitz in Beirut, Libanon, die seit 2019 vom dortigen Bildungsministerium anerkannt ist. Geleitet wird das operative Geschäft von der aktiven Rentnerin und Vorstandsvorsitzenden Nimat Bizri, die selbst syrische Wurzeln hat. Sie betreut ehrenamtlich 3 Schulen in der Bekaa-Ebene und seit 2012 Nothilfemaßnahmen für die geflüchteten Familien. So wurden jährlich seit 2012 bis zu 3.000 Schülerinnen und Schülern der Zugang zu Bildung ermöglicht und deren Familien betreut und unterstützt.

 

SSSE finanziert sich hauptsächlich über Privatspenden sowie über Fördermitglieder und Charity-Veranstaltungen innerhalb des Libanons aber auch darüber hinaus im gesamten Nahen Osten. Der Großteil der Kosten des Bildungsprojektes wird als Teilfinanzierung der Sächsischen Staatskanzlei über den deutschen Verein arche noVa e.V. getragen.

 

Die Aktion-Arme-Welt Stiftung trägt den Eigenanteil der SSSE für die Schule in Kamed El Loz für insgesamt 341 Kinder und Jugendliche geflüchteter Familien aus Syrien im Alter von 4-14 Jahren, die von insgesamt 35 syrischen und libanesischen Lehrkräften und weiterem unterstützenden Personal betreut werden. Zu den Projektkosten gehören Aufwandsentschädigungen für Lehrkräfte und Weiterbildungsmaßnahmen, Kosten für Schulmaterialien, Kosten für den sicheren Transport der Kinder zur Schule und zurück, die Betriebskosten für die Schulen und notwendige Personalkosten für den Unterhalt der Schulen bzw. auch Mittel zur Kontrolle der ordnungsgemäßen Umsetzung der Projektmaßnahmen und zur ordentlichen Mittelbewirtschaftung.

 

Die Schulen und die dort erworbenen Abschlüsse sind vom Bildungsministerium anerkannt. Sie entsprechen den Standards des Bildungssektors im Libanon, sind kompatibel zum staatlichen Schulsystem und erfüllen auch die Kriterien von UNICEF für Schulprojekte von geflüchteten Kindern. Die Fortbildungen für die Lehrer verbessern auch deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

  

 

(Copyright: Society for Social Support and Education, kurz: SSSE)

 

Der Unterricht erfolgt an 5 Tagen in der Woche am Nachmittag, Montag bis Mittwoch von 15.00 bis 19.00 Uhr sowie Donnerstag und Samstag von 14.00 bis 18.30 Uhr; Freitag und Sonntag waren unterrichtsfrei. Vormittags werden dort die syrischen Kinder unterrichtet.

 

Die Anwesenheit der Kinder sowie der Lehrkräfte betrug unter den SchülerInnen der Kamed el Loz Schule im Durchschnitt 89%. Generell kann die hohe Anwesenheit der syrischen Schulkinder auch über die vergangenen Schuljahre hinweg als großer Erfolg gewertet werden, da diese keine Selbstverständlichkeit ist. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage sind insbesondere syrische Kinder davon bedroht, zum Lebensunterhalt der Familie beitragen zu müssen. Zum Ende des Schuljahres konnten 32 SchülerInnen der Kamed el Loz Schule erfolgreich das 6. Schuljahr abschließen und auf weiterführende öffentliche Schulen in der nahen Umgebung wechseln

 

Viele der Kinder haben durch den Krieg und die Vertreibung Schreckliches erlebt. Es ist daher sehr wichtig, dass die Kinder auch über den eigentlichen Schulunterricht hinaus soziale und gesellschaftliche Betreuung und Förderung erhalten. Auch diesen Aspekt ermöglicht SSSE indem es Chorveranstaltungen sowie weitere außerschulische Aktivitäten und Programme insbesondere auch während der Ferienzeiten anbietet.

 

Bei Bedarf kümmerte sich das Team vor Ort auch um persönliche Belange der Kinder und Eltern (bspw. Einzelfallhilfe in besonderen Situationen wie medizinische Behandlungen für Kinder, Eltern). - Außerdem gibt es regelmäßige Check-Ups durch den Schularzt

 

 

(Copyright: SSSE)

 

Neben den schulischen Aktivitäten hat SSSE während des Projektzeitraums außerdem ein Digitales Lernbildungsprogramm für Jugendliche und Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren durchgeführt, um libanesischen und syrischen jungen Erwachsenen aus den Nachbarschaften der Schulen bessere Fähigkeiten für einen Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Zudem wurden insgesamt 2.325 Essenspakete und 2.000 Decken an bedürftige syrische und libanesische Familien verteilt sowie 2.500 warme Winterjacken an die SchülerInnen der drei Schulen von SSSE. 104 Witwen wurden außerdem mit einer bargeldbasierten Hilfsleistung unterstützt.

 

 

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